Seite 9 – Nach dem Bombardement

Nach dem Bombardement der Taku-Forts
Abb. 9

Nach dem Bombardement


So sah es nach dem Sturm und dem Bombardement der Fortsanlagen im Inneren aus. Alles zerschossen und verwüstet.

Wir blieben dann am 18., 19., 20.Juni in den eroberten Stellungen. Es wurden einfach nachts die Decken mit wasserdichten Unterlagen ausgebreitet, die Moskito-Netze gespannt zum Schutze vor Moskito- Infekten, welche sehr gefährlich sind, hatten wir doch einige Todesfälle durch Moskito- Stiche zu verzeichnen.

Die Gewehre schussbereit, das Koppel etwas gelüftet, wurde sich nun dem Schlaf hingegeben.
Wir hatten am 19. des nachts Alarm, es war ein Überfall vonseiten der Boxer und chinesischen Soldaten geplant, jedoch wurden sie fast alle aufgerieben. Am 20. nachts bekamen 25 Mann Beorderung mit mehreren Dampfbooten den Peiho- Fluss aufwärts nach Tientsin zu fahren, darunter befand auch ich mich.

Es war uns allen klar, dass es eine schwere Aufgabe für uns war und die nur nachts möglich, da wir am Tage einfach vom Land aus in den Grund gebohrt würden. Nachts 12 Uhr wurden dann 2 Maschinengewehre in die Dampfpinasse gebracht, für mehrere Tage Proviant mitgenommen, die nötige Munition und frisches Wasser in Schläuchen.

2 Uhr nachts gingen wir im Schutz der Nacht flußaufwärts. Unsere Aufgabe war Erkundigung einzuziehen von unseren längst aufgegebenen Kameraden, welche schon 14 Tage auf dem Wege nach Peking waren, von denen jede Benachrichtigung fehlte.
Unsere verhängnisvolle Fahrt sollte aber bald gut zu Ende geführt werden und als der Morgen graute erblickten wir unweit Tientsin am Strande des Flusses Seesoldaten.

Wir konnten alsbald feststellen, dass es englische Marinesoldaten waren, dass selbige sich mit unseren Truppen vereinigt hatten und hier zusammen waren, hatten wir jedoch keine Ahnung. Einer unserer Signalgäste setzte sich mit ihnen in Verbindung und bald hatten wir Einsicht in vorliegende Verhältnisse. Wir fuhren nun den Strandposten zu und landeten. Der grössere mitgebrachte Posten Munition kam unseren Kameraden gut zu passen, denn sie hatten sich ziemlich verschossen. Wir schlossen uns nun der Truppe an und nun gings unter Seymour* (engl. Admiral) auf Tientsin zu.                                                                                                                                                              „Hurra“ the Germans to the front! 1)

Gemälde von Karl Röchling, The Germans to the Front!
Gemälde von Karl Röchling

*Die Deutschen an die Front!

Der englische Admiral Seymour, der den Oberbefehl über das Expeditionskorps der Großmächte führte, soll in schwierigster Lage den Befehl

„Germans to the front!“

gegeben haben.

1) Schlieper: „Meine Kriegserlebnisse in China“ – Die Expedition Seymour, Verlag Wilhelm Köhler 1902


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