Seite 7 – Eroberung der Taku-Forts

Eroberung der Taku-Forts
Abb. 7

Eroberung der Taku-Forts


Es war am 17.Juni 1900, als der Peiho-Fluss und dessen Reede von vielen Kriegsschiffen verschiedener Nationen blockiert war. Der Fluss mündet zwischen den Forts-Anlagen direkt in den Golf von Tschili und ist bis nach Tientsin durch Schiffe mit geringem Tiefgang schiffbar.

Im Fluss lagen das deutsche Kanonenboot „Iltis“, „Algerine“ (russ.), „Gelliard“ (engl.)*, während im oberen Strom eine chinesische Torpedoboots-Division lag.

Auf der Aussenreede lagen von deutschen Schiffen – S.M. Schiffe: Hertha, Hansa und Kaiserin Augusta, Gefion, Irene und Jaguar – und machten ihre Landungstruppen klar.

Des nachts 1 Uhr (Sonnabend zu Sonntag) gab S.M.S. Iltis der Fortsignalstation Signal. Sie sollten diese drei Kanonenboote ohne feindliche Absichten zum Schutze der Europäer passieren lassen.

Die Antwort:
Eine 21 cm Kr.-Granate schlägt 50 m vor Algerine ein, auf diesen drei Kanonenbooten erfolgt sofort militärische Antwort.
Vom Iltis dröhnt das deutsche „Hurra“ in die Nacht hinaus und eine Artilleriesalve folgt der anderen.
Als der Morgen graute gingen die gut vorgearbeiteten Landungstruppen zum Sturm vor.
Uns voran unser Kapitän Pohl („Hansa“), allerdings wurden wir nun mit einem mörderischen Feuer empfangen, jedoch in tigerartiger Schnelligkeit hatten wir bereits den ersten Wall erstürmt, auch hatten wir so schnell es der Feind kaum ahnen konnte, Maschinengewehre in Stellung gebracht und nun ging es den Chinesen schlecht, als die 2.Kette vom Maschinengewehr abgefeuert war, sah man von den Mannschaften der Forts-Außenverteidigung nicht mehr viel.

Nun ging es an die Innenverteidigung, selbige wurde mit schnell in Stellung gebrachten 8,8 und 3,7 Maschinenkanonen geleitet. Letzteres wurde von unserer Artillerie so gut und kräftig geleitet, dass sich der Feind in eiliger Flucht zurückzog.
Genau früh 8 Uhr verhallten die letzten Schüsse und die internationalen Flaggen flatterten auf den chinesischen Forts (Deutsche, Russische, Englische, Japanische, Italienische).
Ein kräftiges Seemannshoch auf seine Majestät beschloss die schöne Feier am 18.Juni 1900.


* Hier handelt es sich um eine Verwechslung bzw. einen Irrtum:

  1. Die HMS Algerine war kein russisches Schiff, sondern ein englischer Kreuzer
  2. Ein englisches Schiff namens „Gelliard“ ist nicht bekannt. Es könnte sich um eine Verwechslung mit dem Kanonenboot „Giljak“ handeln, welches allerdings der kaiserlichen russischen Marine  angehörte.
  3. Im Peiho-Fluss befanden sich außerdem noch die (hier nicht genannten) russischen Kanonenboote „Koretz“ und „Bobr“ sowie das französische Kanonenboot „Lion“.  
taku-forts-skizze
Skizze aus http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/
Plan_Taku
Beilage zum Ostasiatischen Lloyd vom 22. Juni 1900

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