Seite 37 – Taifun vor Tsingtau

Das erstemal Pfingsten 1900 in Tsingtau (Ariona-Insel), bei einem starken Taifun.
Also am Pfingstabend eines schönen Tages lagen wir, das ganze Geschwader in der Tsingtau- Bucht, als plötzlich vom Diederichstein (Signalstation) „Taifun“ gemeldet wurde.

Der Taifun ist dem Seemann das gefährlichste Wetter auf See und tritt ganz plötzlich auf. Es ist eine Siedehitze und schnell sinkt die Temperatur auf 0 C° und drunter, es folgen kolossale Sandstürme, welcher von den Küsten abgetrieben wird.

Es wird fast völlige Nacht, 20 – 30 m hohe Wasserberge, welche in der Luft von dem sehr starken Windstrom in tausende kleine Teile gerissen werden, bilden sich in kurzer Zeit.

An Bord heisst es sofort nach Empfang des Signals:

„Alles Seefest machen“

„Geschütze einzurren“, „Die Rettungsbootsmannschaft sich klarmachen“

„Seewache aufziehen“

Jede Wache weiß sofort, was sie zu tun hat und in einer halben Stunde sind alle Maschinen evtl. Kessel (18 Stück) klar. Ehe wir jedoch seeklar waren, hatten wir auch bald den Seemannstod gefunden. Wir „Hansa“ lagen unweit der Ariona-Insel vor Anker und zwar hatten wir schon alle verfügbaren Anker (3 Stück) bis auf den Reserve Heck-Anker verloren, die kolossalen dicken Ankerketten waren gerissen, welches einem Nichtseemann einfach unglaublich erscheint.

Auf uns zu trieb die „Irene“ und „Hertha“ welche auch alle Anker verloren hatten und einer Sturzwelle verdankten wir unsere Rettung, denn selbige warf uns ein Stück weit fort, sodaß die „Irene“ uns am Achterschiff vorbeifegte.
Hätte„ Irene“ uns erfasst, so war unsere Ruder- und Steueranlage unrettbar verloren, wir hätten somit die Gewalt unseres Schiffes verloren und wären an der Ariona-Insel zerschellt worden.

Nicht besser erging es der „Hertha“.

Selbige kollidierte mit „Gefion“ letztere hatte leichte Beschädigung.
Dieses alles spielte sich im Laufe einer halben Stunde ab. Nun hatten allesamt Dampf.
„Auf“ und hinaus gings in die offene See, ziemlich 2 Tage dauerte der Tanz des Schreckens.
Am 2. Pfingsttag gegen Abend liefen wir wieder im Hafen Tsingtau ein. Niemand der Besatzung wird dieses Pfingsten vergessen, bezeichnete es doch unser Kommandant „Herr Kapitän Pohl“ als ein noch nicht erlebtes Wetter auf See, diese Schreckenstage.

Nun wurde durch Signal festgestellt, welchen großen Schaden das Unwetter angerichtet hatte.

Drei kleinere Küstendampfer waren mit Mann und Maus verschwunden, ebenso eine chinesische Handelsbarke und viele Fischer und Wohnungsboote mit ihren Familien waren verschwunden.
Gouverneurs Kapitän Truppel stellte fest, daß annähernd 1500 Menschen ums Leben gekommen waren. Auch aus unserem Geschwader waren fünf Mann über Bord gespült und hatten das Seemannsgrab gefunden.


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