Schiffsbiographie

[Die in Blau gehaltene Schrift markiert den Zeitraum der Dienstzeit von W.Kaudel]

Der Name „Hansa“ (lat.) ist auf die „Hanse“ zurückzuführen.
Als solche wurde der nordeuropäische Städtebund, bestehend aus wirtschaftlich bedeutenden Städten mit Meereszugang, – aber auch Binnenstädten ( noch heute z.B. Hamburg und Bremen, sog. „Hansestädte“) vom Ende des 12. bis ins 17.Jahrhundert, bezeichnet.

Am 12.03.1898 wurde der Kreuzer II. Klasse auf „Hansa“ vom damaligen Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, Johann Georg Mönckeberg, getauft und erhielt damit denselben Namen wie die 1888 außerdienstgestellte Panzerkorvette und die bereits zur deutschen Marine von 1848 gehörende Fregatte.

S.M.S. Hansa im Dock in Stettin – Bundesarchiv DVM 10 Bild-23-61-41 / Fotograf: unbekannt

Nach Komplettierung wurde S.M.S. Hansa Anfang des Jahres 1899 von der Werft in Stettin nach Kiel überführt und dort am 20. April in Dienst gestellt.
Bei unsichtigem Wetter lief es am 6. Juni desselben Jahres während einer Probefahrt im Großen Belt auf Grund, konnte jedoch ohne größere Beschädigungen wieder freigezogen werden.

Nach Abschluß der Probefahrten trat S.M.S. Hansa am 16.08.1899 unter dem Kommando von Kapitän zur See ( KzS ) Hugo Pohl, mit einigen Zwischenstationen die Reise nach Ostasien an.
Infolge der relativ kurzen Erprobungszeit stellte sich auf der weiten Fahrt heraus, dass die Maschinen- und Kesselanlage noch starke Mängel aufwies und oft Ausfälle, – bis hin zum Totalausfall aller drei Maschinen, zu verzeichnen waren (s. hierzu auch Tagebuch Seite 5).
Nachdem es durch den schlechten Zustand der Kesselanlage bereits zu einem tödlichen Unfall (Kesselexplosion) gekommen war, mußte die „Hansa“ am 26.Oktober Amoy zur Überholung anlaufen.
Hier trafen Anfang November auch die großen Kreuzer „Hertha“ und „Deutschland“, auf letzterem mit dem Chef des Kreuzergeschwaders, Vizeadmiral Prinz Heinrich von Preußen, ein.

Postkarte mit Prinz Heinrich

Mit Antritt seiner Reise in die Heimat auf S.M.S. Deutschland, gab der Prinz das Geschwaderkommando am 04.01.1900 an Konteradmiral Fritze ab, welches dieser wiederum von der zwischenzeitlich nochmals in Hongkong überholten „Hansa“ bis zum Eintreffen des neuen Geschwaderchefs Vizeadmiral Bendemann am 17.02.1900, aus führte.

Nachdem die „Hansa“ am 15.03.1900 in Tsingtau eingetroffen war, unternahm der Kreuzer in den Gewässern vor China zunächst einige Übungsfahrten.
Zu Beginn der Boxer- Unruhen begab er sich dann am 07.Juni auf Taku- Reede. Am 08.Juni traf auch das Flaggschiff S.M.S. Hertha unter dem Kommando von Vizeadmiral (VAdm) Bendemann dort ein.

Emil Felix von Bendemann
Emil Felix von Bendemann

Die Kriegsschiffe lagen auf offener Reede und die Nachrichtenverbindung zu den Gesandschaften in Peking war größtenteils unterbrochen. Jedoch von dem was durchdrang war zu erkennen, dass die Lage in Peking äußerst kritisch eingeschätzt werden musste.
Am 10.Juni trat daher ein internationales Landungskorps von über 2000 Mann unter Befehl des britischen Admirals Seymour per Eisenbahn die Reise nach Peking an. Von der Besatzung der „Hansa“ wurden hierfür 123 Mann unter Führung des 1.Offiziers Kapitänleutnant Schlieper abgestellt. (s. hierzu 1) Schlieper: „Meine Kriegserlebnisse in China” – Die Expedition Seymour)

Die gesamte Mission stellte sich jedoch bald als vergebens heraus, da die Bahnlinie von Tongku nach Peking von den Chinesen mehrmals gesprengt und die Truppen des Landungskorps in verlustreiche Kämpfe verwickelt wurden. Auch Schlieper wurde schwer verwundet und die entsandten Truppenteile mussten letztlich wieder zurückgezogen werden.

Am 17.06.1900 ergriff das Kreuzergeschwader Maßnahmen zur Erstürmung der Taku-Forts. Der Kommandant der „Hansa“, Käpitän zur See (KzS) Hugo Pohl, befehligte hierbei die internationalen Landungstruppen.

Admiral Hugo von Pohl
Hugo von Pohl (hier bereits als Admiral)

Zwischenzeitlich waren die internationalen Heeresverbände verstärkt worden um Anfang August erneut den Vormarsch auf Peking wagen zu können. Nachdem die Ermordung des deutschen Gesandten Freiherr von Ketteler am 20.Juni bekannt geworden war, erfolgte der Angriff ohne auf das vom Kaiser Wilhelm II. entsandte Expeditionskorps zu warten.
Von deutscher Seite war hierbei das 195 Mann starke Landungskorps der „Hansa“ von Tientsin aus beteiligt. Am 18.August trafen unter der Führung von KsZ Pohl die deutschen Truppenteile, bestehend aus Besatzungsteilen der „Hansa“ und der „Hertha“, in Peking ein.

Mit Operationen gegen die Küstenforts bei Peitaho, Tschinwantau und Schanheikwan Anfang Oktober 1900 endete der Einsatz der „Hansa“ während des Boxeraufstands.

Von allen deutschen Schiffen des Ostasiengeschwaders hatte sie mit 13 Toten und 24 Verwundeten * die höchsten Verluste zu verzeichnen.

* Hierzu existieren in der Literatur unterschiedliche Angaben. 

2) Hildebrand, Röhr, Steinmetz: „Die deutschen Kriegsschiffe”, Band 4 geht von o. g. Zahlen aus. Dagegen ist im Anhang D von 7) Die Kaiserliche Marine während der Wirren in China 1900 – 1901, der Verlust von nur 7 Toten und 23 Verwundeten der „Hansa“ angeführt. 

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