Panzerkorvette Hansa (1872)

In die Zeit kurz vor und nach der Reichsgründung und der in Folge beginnenden Umgestaltung der Marine, viel die Indienststellung der ersten, auf deutschen Werften gebauten gepanzerten seetüchtigen Kriegsschiffe.

Darunter befand sich als erstes deutsches Panzerschiff auch die Panzerkorvette Hansa. Der Rumpf der ursprünglich für die Marine des Norddeutschen Bundes und nach einem Amtsentwurf 1868/70 geplanten Korvette, bestand im Wesentlichen noch aus Holz, beplankt mit einem 114 mm starken Panzer aus Schmiedeeisen. Neben dem Dampfantrieb mit einer liegenden dreizylindrigen Einfachexpansionsmaschine  besaß das Schiff noch 3 Masten mit voller Takelage. Eine elektrische Generatoranlage war dagegen noch nicht vorhanden.  Die Segelausrüstung sollte der Überwindung größerer Distanzen dienen, der Maschinenantrieb war zum Manövrieren im Gefecht gedacht. Wie viele Kriegsschiffe dieser Zeit, verfügte die „Hansa“ außerdem über einen Rammsporn.

S.M.S. Panzerkorvette Hansa
S.M.S. Panzerkorvette Hansa

Die Panzerkorvette Hansa wurde auf der Werft in Danzig (seit 1871 Kaiserliche Werft) gebaut. Obwohl die Kiellegung bereits im November 1868 erfolgte, fand der Stapellauf auf Grund des Trocknungsprozesses des Holzes und wegen Bauverzögerungen infolge des deutsch-französischen Krieges von 1870/71, erst am 26. Oktober 1872 statt. Erstmalig wurde hierbei bei einem deutschen Schiff auch eine Taufzeremonie (bestehend aus Taufrede und Namenstaufe) vollzogen.

Nachdem die „Hansa“ im August 1873 von Danzig aus in die Vulcan-Werft nach Stettin umgesetzt worden war, wurde sie dort bis Dezember 1874 weitestgehend fertiggestellt. Letzte restliche Arbeiten erfolgten dann noch im Schwimmdock in Kiel, wo das Schiff Anfang Januar 1875 eintraf.

Nach einigen Probefahrten versah die „Hansa“ von Juni bis November 1875 Dienst im  Panzerübungsgeschwader und wurde dann bis zum 22. Juli 1878 zunächst außer Dienst gestellt.

Ab Oktober 1878 wurde die Panzerkorvette für den Auslandseinsatz in südamerikanischen Gewässern, im sogenannten „Westindischen Stationsgebiet“ der Kaiserlichen Marine, während des Krieges zwischen Chile und Peru vorbereitet. Während dieser Mission wurde die „Hansa“ von dem  Korvettenkapitän und späteren Admiral und Staatssekretär des deutschen Reichsmarineamtes Karl Eduard Heusner (1843 -1891) befehligt.

Im Zeitraum vom 01. Oktober 1878 bis 08. November 1880 versah der damalige Leutnant zur See (LzS) und spätere Vizeadmiral Gustav Schmidt (1851 -1931) den Dienst als Wachoffizier auf der Panzerkorvette Hansa.

Admiral Gustav Schmidt
Admiral Gustav Schmidt

Am 8. November 1880 aus Südamerika zurückgekehrt, erfolgte eine gründliche Überholung in Kiel. Dort wurde sie anschließend als Wachschiff und ab 1888 als Schulschiff für die Ausbildung des Maschinen- und Heizerpersonals, eingesetzt.

Ein letzter Höhepunkt der Panzerkorvette „Hansa“ war die Teilnahme der Feier zur Grundsteinlegung des Kaiser-Wilhelm-Kanals am 7. Juni 1886.

Infolge starker Korrosionsschäden, insbesondere am Rumpf, wurde die Panzerkorvette Hansa im Frühjahr 1888 außer Dienst gestellt und im Herbst desselben Jahres aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen.

1906 wurde das Schiff in  Swinemünde (Pommern) abgewrackt.

Im Stadtteil Ravensberg in Kiel ist noch heute die „Hansastraße“ nach der Panzerkorvette „Hansa“ benannt.