Dienstzeitverlauf

Dienstzeit und Einsätze beim Militär

Am 1. Februar 1900 trat Wilhelm Kaudel im Alter von 18 Jahren freiwillig für drei Jahre in die kaiserliche Marine und zwar in die 2.Kompanie der I.Werftdivision* in Kiel ein.

Militärpass
Militärpass

* Es gab zwei Werftdivisionen nämlich die I. WD in Kiel und die II. WD in Wilhelmshaven. Die Werftdivisionen bildeten das technische und das Verwaltungspersonal aus.

Briefverschlussmarke aus Papier

Jede WD hatte 5 Kompanien, wo die verschiedenen „Spezialisten“ ausgebildet wurden. Äquivalent gab es die beiden Matrosendivisionen (für das seemännische Personal). Die zweite Kompanie als auch dritte Kompanien bildeten das Feuerwerkspersonal und das Heizerpersonal aus.

Wilhelm Kaudel wurde als Heizer ausgebildet.


Seinen ersten Einsatz in einheimischen Gewässern hatte er für 17 Tage auf dem großen Kreuzer „Vineta“ vom 11.04.1900 bis 27.04.1900.

S.M.S. "Vineta"
S.M.S. „Vineta“

Im Anschluss fuhr er mit den Ablösungsdampfer*  „Köln“ nach Tsingtau.


* Ablösungsdampfer: hierbei handelt es sich um Truppentransporter die durch die Marine von den Reedereien gechartert wurden. Durch diese Dampfer wurde das Ablösungspersonal für die ins Ausland fahrenden Schiffe, als auch Garnisonen transportiert. (Es wurde aber immer nur ein Teil ausgetauscht).

Lloyd-Dampfer "Köln"
Lloyd-Dampfer „Köln“ (Postkartenmotiv)

Der Lloyd-Dampfer „Köln“ verließ am 15.05.1900 mit 1245 Mann Wilhelmshaven und traf am 17.06.1900 in Tsingtau ein, wurde jedoch wegen der inzwischen ausgebrochenen Unruhen sofort weiter nach Taku beordert.

Am 17.06.1900 in Tsingtau angekommen, wurde W. Kaudel auf die S.M.S. „Hansa“ kommandiert. (warum im Militärpass Fahrzeit des Dampfers bis 19.06.1900 steht, könnte damit zusammen hängen, dass vor Tsingtau noch kein Besatzungswechsel stattgefunden hatte, sondern erst auf Taku-Reede).

Vom 20.06.1900 bis zum 19.06.1902 erfolgte der Einsatz auf der S.M.S. „Hansa“ in Ostasien, Afrika, Australien und in der Süd-See.

Am 19.06.1902 wurde W. Kaudel wieder von der „Hansa“ auf den Ablösedampfer „Main“, welcher am 15.04.1902 in Tsingtau eingetroffen war und das neue Personal für die Schiffe mitbrachte, abkommandiert. Die „Main“ verließ am 14.06.1902 Tsingtau und traf am 10.08.1902 in Bremen ein.

Transportdampfer "Main"
Transportdampfer „Main“

In Bremen angekommen, wurde er nochmals zur I.Werftdivision kommandiert, wo die Auskleidung erfolgte. Am 15.08.1902 wurde er dann zur Reserve entlassen.


Gemäß Eintragungen im Militärpass hat er sich während seines Dienstes bei der Marine eine „Dienstbeschädigung“ zugezogen. Er beantragte deshalb am 29.09.1906  beim Bezirkskommando Erfurt eine Invalidenrente, welche jedoch – typisch für Preußen – am 30.11.1906 abgelehnt wurde.
Daraufhin muss er sich wahrscheinlich dann direkt an die Marine (Marinestation der Ostsee, wo seine Personalunterlagen aufbewahrt wurden) gewandt haben, denn es erfolgte eine Anerkennung der Rente (Bestätigung durch Marinestation der Ostsee, dass er während seines Dienstes in der Marine eine Dienstbeschädigung erlitten hatte). Es wurde ihm eine Rente  von 270 Mark im Jahr bzw. 22,50 Mark im Monat, rückwirkend vom 01.11.06 bis November 08 gewährt. (ebenfalls durch Erfurt abgestempelt). Diese Gewährleistung der Rente erfolgte jährlich. Wobei zum Schluss die monatliche Rente auf 15,75 Mark gesenkt wurde.

Er musste sich jährlich (wie jeder Reservist oder Landdienstmann) beim Bezirkskommando melden. Hier wurden auch Umzüge etc. vermerkt, gleichfalls sein Verwendungszustand ob dienstfähig, wenn ja in welcher Art.


Laut weiteren Einträgen im Militärpass und in der Kriegsstammrolle, hat W. Kaudel auch im 1. Weltkrieg im Zeitraum von 1916-1918 gekämpft.

Deckblatt der Kriegsstammrolle
Deckblatt der Kriegsstammrolle

Während des Krieges erfolgte auch eine Musterung, er wurde jedoch nie „KV“ geschrieben. Bis zum 07.03.1916, hier wurde er „KV“ geschrieben. (KV= Kriegsverwendung)

Seine Einberufung erfolgte am 11.05.1916 zum Inf. Reg. 71,1.Ersatz Bel. in Erfurt (Aufstellung erfolgte 1914) von dort wurde er am 22.06.1916  ins Feld zum Rekruten-Depot IR 95 (hierbei handelt es sich auch um ein thüringisches Regiment wie das IR 71 beide waren der 38. Infanterie-Division unterstellt). Dort erfolgte eine „Frontnahe Ausbildung“, ehe eine Aufteilung auf die einzelnen Truppenteile vorgenommen wurde.

Laut Kriegsstammrollenauszug nahm er vom 26.05.1916 bis zum 31.05.1916 an der Schlacht um Verdun Höhe 304 teil.

Am 29.10.1916 erfolgte eine Versetzung ins Feldrekruten Depot der 36.ID, von dort am 01.11.1916 weiter in das Feldrekruten Depot der 38.ID, wo er bis zum 31.01.1917 verblieb.

Laut Kriegsstammrollenauszug nahm er an folgenden Schlachten teil: 31.10.1916 – 5.11.1916 Somme; 29.11.1916 – 22.12.1916 Flandern; 26.11.1917 – 10.01.1917 Somme.

Am 13.01.1917 erfolgte seine Überweisung ins Kriegslazarett  Candry? (Schwer entzifferbar), von dort wurde er mit einen Lazarettzug von 26.01.1917 – 31.01.1917 transportiert und wurde im Reservelazarett in Segeberg bis .03.04.1917 wieder „KV“ gemacht.

Am 04.04.1917 wurde er zum Ersatz-Btl. des IR 94, aber dann zuständigkeitshalber (wörtlich) zum Ersatz Btl des IR 71 (Erfurt) versetzt.

Dann erfolgten im Zeitraum von 02.05.1917 bis 08.11.1917 mehrere Lazarett Aufenthalte (alle in Erfurt (zum Bsp. in der Abteilung Schützenhaus vom. 29.09-08.10.1917 wegen Malaria), ansonsten hatte er mehrfach Furunkel.

Am 15.01.1918 erfolgte seine Versetzung wieder zum Ersatz Btl. IR 71 (in Erfurt).

Von dort erfolgte am 10.04.1918 seine Versetzung zum Fußartillerie Regiment 18 Kassel Rekruten Depot (1913/14 wurde für das Thüringische Fußartillerie-Regiment Nr. 18 die „Neue Artillerie-Kaserne“ in Niederzwehren, heute ein Stadtteil von Kassel, gebaut). Das Regiment bezog zwar nie die Kaserne, doch sind für das Jahr 1918 Ersatztruppenteile des Regimentes dort untergebracht. So befand sich dort das I. Rekruten-Depot und die 2. Genesenen-Batterie des Ersatz-Bataillons Fußartillerie-Regiment 18.

Von dort am 15.05.1918 zur 5.Ersatz Batterie Fußart.Reg.18. Hier muss er nochmals verwundet worden sein, denn es erfolgte vom 18.06.1918-29.09.1918 ein Lazarettaufenthalt (Grund unbekannt). Von dort wurde er vom 29.09.1918 bis 23.11.1918 in die Genesenden Batterie  Fußart. Reg.18. versetzt.

Am 23.11.1918 wurde Wilhelm Kaudel „Wegen Abrüstung des Kriegsheeres“ nach Nordhausen entlassen.