Boxeraufstand

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Welt unter den imperialistischen Großmächten weitestgehend aufgeteilt. Der Wettlauf um die restlichen, machtpolitisch noch unerschlossenen Gebiete spitzte sich zu. Vor diesem Hintergrund konzentrierte sich das Interesse westlicher Kolonialmächte auf das durch innere religiöse Konflikte mit den Christen und die vorausgegangenen, sogenannten „Opiumkriege“ politisch geschwächte China.

Der chinesische Geheimbund Yi- He Quan („Faustkämpfer für Recht und Einigkeit“- daraus abgeleitet die Bezeichnung „Boxer“, welcher durch die chinesische Regierung offiziell anerkannt war, setzte sich ab 1899 gegen die Kolonialmächte, darunter auch das Deutsche Kaiserreich, verstärkt zur Wehr. Die Angriffe dieser Gruppe gegen Ausländer und chinesische Christen, von westlicher Seite aus als „Boxeraufstand“ bezeichnet, führten Mitte des Jahres 1900 zum Krieg einer europäisch-amerikanisch-russischen Koalition gegen China.

Bereits im Frühjahr 1900 hatten die Boxer Attacken gegen die Ausländer geführt und im Mai die Gesandtschaften in Peking bedroht. Ein erstes internationales Expeditionskorps unter Führung des britischen Admirals Edward Seymour (siehe 1), machte sich daher am 10. Juni 1900 von Tientsin aus auf den Weg, um die Gesandtschaften in Peking zu schützen, wurde jedoch von den Boxern aufgehalten und musste umkehren.

Fast zur gleichen Zeit hatten sich vor der chinesischen Küste im Golf von Tschili zahlreiche Kriegsschiffe der alliierten Seestreitkräfte versammelt. In der Nacht vom 16. zum 17. Juni stellten die alliierten Truppen den Kommandanten der Taku-Forts ein Ultimatum zur Übergabe der Forts. Jedoch  eröffneten diese vor Ablauf des Ultimatums das Feuer. Die im Peiho-Fluss liegenden Kanonenboote erwiderten das Feuer und eroberten mit Unterstützung von Landungstruppen die Taku-Forts.

Bundesarchiv_Bild_146-1970-067-01,_China,_Boxeraufstand

Am 20. Juni 1900 wurde der deutsche Gesandte Klemens Freiherr von Ketteler durch chinesische Nationalisten auf dem Weg zum Außenministerium ermordet und die Gesandtschaften in Peking von chinesischen Soldaten und aufständischen Boxern belagert. Daraufhin bildeten die Großmächte ein gemeinsames Ostasiatisches Expeditionskorps, welches die Gesandtschaften befreien und die Boxerbewegung niederschlagen sollte, letztlich jedoch die Durchsetzung ihrer imperialistischen Interessen zum Ziel hatte. Der hierbei beachtliche Anteil des Deutschen Reiches an diesem Korps, macht dessen machtpolitische und ökonomische Ambitionen in China deutlich.

Verabschiedung des deutschen Ostasien-Expeditionscorps durch Kaiser Wilhelm II in Bremerhaven am 27.7.1900 – Bundesarchiv Bild 183-B0313-0014-067 / Fotograf: unbekannt

Am 27. Juli 1900 hielt Kaiser Wilhelm II. in Bremerhaven zur Verabschiedung des deutschen Expeditionskorps die umstrittene sogenannte „Hunnenrede“.

Unter dem Oberbefehl des deutschen Grafs Alfred von Waldersee erreichte das internationale Expeditionsheer am 13. August 1900 Peking, dass zu diesem Zeitpunkt jedoch schon größtenteils erobert war und nur einen Tag später, am 14. August 1900 gänzlich in die Hände der westlichen Mächte fiel.

Alfred Graf v. Waldersee – Bundesarchiv Bild 146-1970-068-45 / Fotograf: unbekannt